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Medizinische Eingriffe

Wenn die Geburt nicht vorangehen will, die Kräfte der Mutter verbraucht sind und das Kind gestresst reagiert, lassen sich ein geburtshilflicher Eingriff oder eine Schnittentbindung häufig nicht vermeiden.


Die moderne Geburtsmedizin und die elektronische Überwachung von Geburten machen es möglich, eine Gefährdung von Mutter und Kind schon früh zu erkennen und bei Bedarf rechtzeitig einzugreifen. Die Möglichkeiten der technisch kontrollierten Geburt haben auf der anderen Seite aber dazu geführt, dass aus einem natürlichen Ereignis ein medizinischer Vorgang mit zunehmend mehr ärztlichen Eingriffen geworden ist. So führen manchmal auch Ungeduld und fehlendes Vertrauen dazu, dass in den natürlichen Geburtsverlauf eingegriffen wird.

Geburtseinleitung

In manchen Fällen wird eine Geburt schon vor dem natürlichen Geburtsbeginn künstlich in Gang gesetzt. Ungeduld der Eltern oder Planungen der Geburtsklinik sollten kein Grund für eine Geburtseinleitung sein, denn sie zieht oft weitere Eingriffe nach sich.

Medizinische Gründe für eine Geburtseinleitung sind zum Beispiel:

  • Infektionsrisiko durch einen vorzeitigen Blasensprung,
  • Überschreitung des Geburtstermins um eine Woche bis 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin,
  • Erkrankungen der Mutter (Diabetes, Bluthochdruck, Gestose),
  • Funktionsschwäche des Mutterkuchens (Plazenta-Insuffizienz).

Eine Geburt kann durch Öffnen der Fruchtblase, mithilfe eines Wehentropfs oder durch Medikamente eingeleitet werden, die den Muttermund schneller „reifen“ (weich werden und sich öffnen) lassen. Ist der Muttermund noch unreif, werden zunächst Prostaglandine als Gel oder als Tablette in die Scheide eingeführt. Die Schwangere kann sich dann weiter ungehindert bewegen und ist nicht ans Bett gebunden.

Wenn der Muttermund schon weich und ein wenig geöffnet ist, die Wehen aber nicht stark genug sind, können sie mithilfe eines Wehentropfs verstärkt werden. Der Tropf schränkt allerdings die Bewegungsfreiheit der Schwangeren ein. Bei beiden Methoden werden in regelmäßigen Abständen die Herztöne des Kindes kontrolliert.

Wehenmittel während der Geburt

Von einer verzögerten Geburt spricht man, wenn die Geburt beim ersten Kind länger als 18 Stunden und bei den nächsten Kindern mehr als zwölf Stunden dauert. Um die Geburt zu beschleunigen, können unterstützende medizinische Maßnahmen nötig werden. Je nach Ursache der Verzögerung können dies Wehenmittel, aber auch schmerzstillende Maßnahmen sein.

Ein Wehentropf besteht aus einer Flüssigkeitslösung, die außer Zucker und Mineralien das wehenfördernde Hormon Oxytozin enthält und als Infusion verabreicht wird. Meist wird die Infusionsnadel auf dem Handrücken angebracht. 

Zu Beginn wird das Mittel nur langsam verabreicht. Die Anzahl der Tropfen kann später gesteigert werden, bis regelmäßige und kräftige Wehen die Geburt voranbringen. Bei kurzfristigem Bedarf ganz am Ende der Geburt kann das Wehenmittel auch als Nasenspray verabreicht werden.

Wehenmittel sollten nur eingesetzt werden, wenn sie medizinisch sinnvoll sind. Eine unnötige Beschleunigung der Geburt kann Nachteile für Mutter und Kind haben:

  • Das Kind hat weniger Zeit, sich in Ruhe in den Geburtsweg einzufügen und das Gewebe langsam zu dehnen.
  • Die Frau hat weniger Pausen, um sich zu erholen.
  • Es kommt häufiger zu Dammrissen und Dammschnitten.

Dammschnitt

Der Dammschnitt (Episiotomie) ist ein häufiger geburtshilflicher Eingriff. Er wird bei etwa einem Drittel aller normalen Geburten durchgeführt. Dabei sind Frauen, die ihr erstes Kind entbinden, deutlich häufiger betroffen als Mehrgebärende. Ob ein Dammschnitt bei einer normalen Geburt nötig ist oder nicht, kann die Hebamme immer erst dann entscheiden, wenn sich das Köpfchen schon im Beckenausgang befindet.

Es gibt verschiedene Gründe für einen Dammschnitt:

  • zur Verkürzung der Austreibungsphase, wenn das Kind am Ende der Geburt Stresssignale zeigt,
  • zum Schutz vor unkontrollierten Dammrissen,
  • zum Schutz des kindlichen Köpfchens vor dem Druck des Beckenbodens,
  • wenn eine Saugglocke oder Geburtszange eingesetzt werden muss.

Wenn trotz Dammschutz ein größerer Riss droht, wird im Moment der größten Dehnung ein Schnitt mit einer speziellen Schere gesetzt. Die meisten Frauen beschreiben keinen Schmerz, sondern ein plötzliches Gefühl der Entlastung nach einem zuvor sehr großen Spannungsgefühl. Muss der Dammschnitt schon früh gesetzt werden, um zum Beispiel bei Frühgeburten das Köpfchen zu schonen, wird die Schnittstelle vorher örtlich betäubt.

Nach der Geburt wird der Dammschnitt in örtlicher Betäubung schichtweise genäht. Die Fäden werden nicht gezogen, sie lösen sich von selbst auf. In den allermeisten Fällen heilen die Dammschnitte im Wochenbett problemlos ab.

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Häufig gestellte Fragen

Woran erkenne ich den Unterschied zwischen Übungswehen und Geburtswehen?

In den letzten Wochen vor der Geburt treten ab und an sogenannte Vor- oder Übungswehen auf. Dabei wird der Bauch meist rund und hart, was von einem leichten, ziehenden Schmerz im Unterbauch begleitet sein kann. Häufig melden sich Übungswehen in unregelmäßigen Abständen abends für zwei bis drei Stunden und hören dann wieder auf.

Im Gegensatz dazu verschwinden Geburtswehen nicht wieder, sondern werden regelmäßiger, dauern länger und kommen in immer kürzeren Abständen. Bei diesen stärkeren Wehen strahlt der Wehenschmerz häufig vom Rücken nach vorne in den Bauch und bis in die Oberschenkel aus.

Wenn die Wehen länger als eine Stunde in Abständen von etwa zehn Minuten auftreten, wird es allmählich Zeit für die Fahrt in die Klinik, das Geburtshaus oder für den Anruf bei der Hebamme zur Hausgeburt. Nur in seltenen Fällen besteht Grund zur Hektik: Beim ersten Kind dauert die Geburt meist zwischen sechs und zwölf Stunden.

Ist es bei einem Blasensprung nötig, mit dem Rettungswagen in die Klinik zu fahren?

Wenn die Fruchtblase reißt und das Fruchtwasser abgeht, ist das ein Zeichen für den Geburtsbeginn. Es wird dann höchste Zeit, die Hebamme zu benachrichtigen, sich in die Klinik oder ins Geburtshaus fahren zu lassen – sicherheitshalber liegend, damit die Nabelschnur nicht neben das Köpfchen des Kindes rutscht. Ist das im eigenen Auto nicht möglich, ist man in einem Krankentransport am besten versorgt.

Falls sich bei der letzten Vorsorgeuntersuchung gezeigt hat, dass das Köpfchen des Kindes schon fest im Beckeneingang sitzt, kann sich eine werdende Mutter aber auch nach einem Blasensprung frei bewegen. Ein Transport im Liegen ist dann nicht nötig.

Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt?

Nur etwa vier Prozent aller Kinder kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. Eine spätere Geburt ist also nichts Ungewöhnliches. Dennoch werden ab dem errechneten Entbindungstermin alle zwei bis drei Tage Vorsorgeuntersuchungen gemacht, um sicherzugehen, dass es dem Kind gut geht. In der Regel wird noch einmal geprüft, ob der errechnete Geburtstermin richtig ist.

Ab der 41. Schwangerschaftswoche wird meist vorgeschlagen, die Geburt einzuleiten. Ist der Muttermund noch fest, kann seine Reifung medikamentös unterstützt werden. Dazu werden eine Tablette oder ein Gel mit dem Hormon Prostaglandin vor den Muttermund gebracht. Dadurch wird der Muttermund meist weich und öffnet sich ein wenig. Erst dann kann die Ärztin oder der Arzt die Geburt mithilfe eines Wehentropfs einleiten. Ist der Muttermund jedoch schon geöffnet, aber bleiben die Wehen aus, kann sofort ein Wehentropf gelegt werden.

In der Regel wird nicht länger als 14 Tage nach dem errechneten Termin auf den natürlichen Geburtsbeginn gewartet, weil danach die Gefahr besteht, dass der Mutterkuchen das Kind nicht mehr gut versorgt.

Stimmt es, dass man mit Sex die Geburt einleiten kann?

Die Samenflüssigkeit des Mannes enthält sogenannte Prostaglandine. Diese Hormone werden auch in der Gebärmutter der Frau produziert. Gegen Ende der Schwangerschaft lockern sie das Gewebe des Muttermundes auf, damit er sich unter dem Druck der Wehen öffnen kann. Auch beim Auslösen von Wehen spielen Prostaglandine eine entscheidende Rolle. Sie werden deshalb auch zur Geburtseinleitung als Gel, Zäpfchen oder Tablette verwendet.

Die Menge der Prostaglandine im Sperma des Mannes reicht allerdings nicht aus, um Wehen auszulösen, solange der Körper der Frau und das Kind noch nicht geburtsbereit sind.

Bei einem Orgasmus schüttet der weibliche Körper das Hormon Oxytozin aus. Es bewirkt ein rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Deshalb können nach dem Orgasmus ganz leichte Wehen spürbar sein. Sie vergehen aber meist sehr schnell wieder, wenn der weibliche Organismus noch nicht bereit für die Geburt ist. Bei einem unreifen, noch fest verschlossenen Muttermund und einem noch nicht geburtsreifen Kind kann Sex also genauso wenig wie Hausputz oder Treppensteigen den Geburtsbeginn beschleunigen.

Wissenschaftlich belegt ist, dass Frauen, die am Geburtstermin entspannt sind, eher Wehen bekommen als Frauen, die müde und erschöpft sind. Insofern könnte entspannter Sex, der zu körperlichem und seelischem Wohlbefinden führt, den Geburtsbeginn möglicherweise doch etwas befördern.

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