Je nach dem wie lange die Geburt dauert, wie das Köpfchen sich gedreht hat und wie das mütterliche Gewebe beschaffen ist, kann es zu mehr oder weniger geringfügigen Verletzungen des weichen Geburtsweges kommen. Das können Hämatome, Abschürfungen oder Rissverletzungen sein.
Überbeanspruchungen der Beckengelenke durch die Geburt, wie etwa eine Symphysenüberdehnung, sind selten. Noch seltener sind Dehnungen im Rückenbereich. Sie bilden sich nach der Geburt von selbst wieder zurück und werden bei Bedarf durch einen Beckengurt unterstützt.
Hämatome
In den Unterhautschichten der Schamlippen, des Dammgewebes und der Scheide können Blutgefäße durch den Druck der Geburt einreißen. Es blutet nicht nach außen, sondern in das Gewebe und es bildet sich ein Hämatom oder blauer Fleck.
Nicht immer sind die Hämatome von außen sichtbar, aber sie machen die typischen Beschwerden von Schwellungen:
- Starke Schmerzen beim Sitzen und Laufen
- Beschwerden beim Wasserlassen
- Druckgefühl auf den Darm
Zur Linderung der Schmerzen können die Stellen gekühlt werden. Aber letztlich hilft nur Geduld, bis sich das Hämatom abgebaut hat. Damit sind die Beschwerden in der Regel auch komplett verschwunden.
Dammriss
Die häufigste Verletzung durch die Geburt ist ein Dammriss. Dabei reißt das Gewebe zwischen dem hinteren Rand des Scheidenausgangs in Richtung Schließmuskel ein, wenn sich das Köpfchen oder die Schultern daran vorbei schieben.
Je nach Ausdehnung des Risses werden vier Gradeinteilungen unterschieden. Die kleineren Dammrisse ersten und zweiten Grades sind mit je 13 und 15 Prozent relativ häufig. Größere Dammrisse dritten und vierten Grades sind sehr viel seltener. Sie treten am ehesten im Zusammenhang mit Dammschnitten und geburtshilflichen Operationen auf. Alle Dammrisse werden sorgfältig vernäht und heilen in der Regel sehr gut ab.
Sonstige Rissverletzungen
Neben den Dammrissen kommt es häufiger auch zu kleinen Einrissen oder Abschürfungen in der Scheide. Wenn es nicht blutet, muss es nicht genäht werden. Größere Risse werden genäht. Da die Schleimhaut sehr gut und schnell heilt, machen Scheidenrisse kaum Beschwerden.
Rissverletzungen der kleinen Schamlippen sind meist so oberflächlich, dass sie nicht genäht werden müssen. In den ersten Tagen nach der Geburt brennt es beim Wasserlassen, weil der Urin über die Wundflächen läuft. Danach klagen die Frauen kaum noch über Beschwerden.
In ganz wenigen Fällen kann es zu Einrissen am Gebärmutterhals und dem Muttermund kommen, die genäht werden müssen und meist problemlos ausheilen.
Versorgung der Verletzungen
Nach der Geburt von Kind und Mutterkuchen wird das Gewebe sehr genau untersucht. Müssen Verletzungen genäht werden, erfolgt das umgehend im Kreißsaal.
Das Kreißbett wird kurzerhand zu einem gynäkologischen Stuhl umgebaut. So kann die Mutter mit dem Kind im Arm einfach liegen bleiben und legt nur die Beine in die Schalen.
Wenn keine Periduralanästhesie bei der Geburt eingesetzt wurde, wird die Wundstelle örtlich betäubt. In die Scheide wird ein großer Tupfer als Tamponade gelegt. Er verhindert, dass das Blut aus der Gebärmutter über die Naht läuft.
Die Verletzung wird schichtweise vernäht, zuerst innen die Scheide, dann die Muskelschicht und zuletzt die Haut. Weil dafür mehrere Stiche notwendig sind, fühlt es sich manchmal so an, als wäre die Naht riesig. Dabei ist am Ende von außen nur ein kleiner Strich übrig. Die Fäden müssen nicht gezogen werden, sie lösen sich von selbst auf. Wenn die Naht fertig ist, wird der Tupfer wieder entfernt.
Je nach Größe der Verletzung sind die Beschwerden im Wochenbett von kaum spürbar bis deutlich schmerzhaft. Gerade größere Verletzungen werden oft von Hämatomen begleitet, die meist mehr Beschwerden machen als die Naht selbst.
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Häufig gestellte Fragen
Was passiert, wenn das Baby auf sich warten lässt?
Nur drei von 100 Kindern kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. Daher kann es durchaus normal sein, wenn das Kind zum errechneten Termin noch nicht geboren ist. Ab dem errechneten Entbindungstermin werden die Herztöne des ungeborenen Kindes in der Regel alle zwei Tage kontrolliert, mit dem Ziel, festzustellen, ob der Mutterkuchen noch gut arbeitet und es dem Kind gut geht. Während der Woche ist die behandelnde Frauenarztpraxis oder die Hebamme dafür zuständig und am Wochenende die ausgesuchte, beziehungsweise nahe gelegene Entbindungsklinik. Sofern es Mutter und Kind auch nach dem errechneten Entbindungstermin gut geht, wird noch eine Zeit lang der natürliche Geburtsbeginn abgewartet.
Allerdings wird angestrebt, die Schwangerschaft nicht länger als 42 Wochen aufrecht zu erhalten. Ab etwa dem zehnten oder zwölften Tag nach dem errechneten Termin, also in der Mitte der 41. Schwangerschaftswoche wird meist in der Klinik die Reifung des Muttermundes mit Medikamenten vorgeschlagen. Diese Reifung geschieht durch ein Hormon (Prostaglandine), das in Tabletten- oder Gelform vor den Muttermund gelegt wird. Durch diese Medikamente wird der Muttermund meist weich und öffnet sich ein wenig. Wenn die Muttermundreifung erfolgreich durchgeführt worden ist, kann die Ärztin oder der Arzt die Geburt dann mit einem Wehentropf einleiten.
Eine Geburtseinleitung sollte immer medizinisch begründet sein. Ungeduld oder Lustlosigkeit ist kein Grund für eine medizinische Intervention. Aber auch trotz verschiedener Möglichkeiten, eine Geburt einzuleiten, kann nicht immer sichergestellt werden, dass das Kind an dem Tag geboren wird, an dem die Geburt eingeleitet wird. Oft ist eine zweite Tabletten- oder Gelgabe erforderlich. Länger als 14 Tage nach dem errechneten Termin wird in der Regel nicht auf den natürlichen Geburtsbeginn gewartet, weil der Mutterkuchen das Kind danach möglicherweise nicht mehr gut versorgt.
Was bekommt das Kind zu trinken, bis bei mir die richtige Milch kommt?
Ein gesundes Neugeborenes kommt gesättigt zur Welt. Nach etwa zwölf bis 24 Stunden äußert es seinen ersten Hunger, es wird unruhig und schreit. Wenn es dann gleich an die Brust gelegt wird, kann es schon die ersten Tropfen der Vormilch (Kolostrum) trinken. Diese kleinen Mengen reichen. Die Vormilch ist reich an Eiweißen, Mineralien und enthält wenig Fett und Zucker.
Am zweiten oder dritten Tag schießt die sättigende Muttermilch in Brust, die die optimale Ernährung des Kindes ist.
Es gibt keinen Grund einem gesunden Neugeborenen in den ersten Tagen Nahrung oder Flüssigkeit außer der Muttermilch zu geben. Der Magen und der Darm des Kindes reagieren noch sehr empfindlich auf unnatürliche und körperfremde Nahrung.
Nimmt ein Kind allerdings mehr als zehn Prozent seines Geburtsgewichtes ab, bekommt Fieber oder liegen andere Probleme vor, kann es durchaus sinnvoll sein, zusätzlich ein wenig Flüssigkeit zu geben. Das kann Tee oder eine sehr verdünnte Traubenzuckerlösung sein.
Handeln wir unverantwortlich, wenn wir die Augentropfen für unser Neugeborenes ablehnen?
Eine Reihe von in der Scheide vorkommenden Keimen kann das Kind auf dem Weg durch den Geburtskanal infizieren und zu einer Bindehautentzündung beim Neugeborenen führen. Seit den 1880er Jahren wird die so genannte Augenprophylaxe durchgeführt. Damals war etwa jede dritte Frau mit Gonokokken (Trippererreger) infiziert. Etwa jedes zehnte Kind steckte sich auf dem Weg durch den Geburtskanal mit diesen Erregern an und nicht selten führten diese Infektionen innerhalb kurzer Zeit zur Erblindung des Kindes. Durch die Gabe der Augentropfen mit Silbernitratlösung ist dieses Krankheitsbild nahezu verschwunden.
Seit 1986 ist die Augenprophylaxe nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, weil die Tripper-Infektionen deutlich seltener geworden sind und falls vorhanden, in der Schwangerschaft behandelt werden können. Außerdem wird die Silbernitratlösung heute seltener verwendet, weil sie sehr in den Augen brennt. Die Kinder blinzeln danach sehr lange und nehmen entsprechend schlechter Blickkontakt mit der Mutter auf.
Als Alternative wird in den meisten Kliniken jetzt statt der Silbernitratlösung ein gegen viele Keime wirksames Antibiotikum empfohlen und verwendet. Das Antibiotikum schmerzt nicht in den Augen und hilft zusätzlich auch gegen andere Keime, wie zum Beispiel Chlamydien. Ein Gegenargument für das Antibiotikum ist die zu wenig konkrete Wirkung, die aber zu einer Sensibilisierung des Kindes führen kann. Das bedeutet, dass eine später notwendige Antibiotikagabe eventuell nicht mehr so gut wirkt. Bis heute ist sich die Medizin nicht einig, ob die allgemeine Prophylaxe sinnvoller ist, oder ob man Kind genau beobachten soll und nur im Falle einer Infektion behandelt. Ein Abstrich aus der Scheide am Ende der Schwangerschaft kann die Entscheidung für oder gegen eine Prophylaxe erleichtern. Wenn sich dabei herausstellt, dass keine gefährlichen Keime zu finden sind, kann man eher auf diese vorbeugende Maßnahme verzichten. Treten innerhalb der ersten zehn Lebenstage Rötungen der Augen auf, sollte allerdings unverzüglich die Hebamme oder eine Kinderärztin oder ein Kinderarzt konsultiert werden, damit die Entzündung gezielt behandelt werden kann.
Stimmt es, dass man mit Sex die Geburt einleiten kann?
In der Samenflüssigkeit des Mannes befinden sich Prostaglandine, Hormone, die ebenfalls in der Gebärmutter der Frau produziert werden. Sie lockern gegen Ende der Schwangerschaft die Fasern des Muttermundes so auf, dass er sich unter dem Druck der Wehen öffnen kann und spielen bei der Wehentätigkeit eine entscheidende Rolle. Prostaglandine werden deshalb auch zur Geburtseinleitung als Gel, Zäpfchen oder Tablette verwendet.
Die Menge der Prostalglandine im Ejakulat des Mannes ist allerdings allein nicht ausreichend, um Wehen auszulösen, wenn der Körper der Frau und das Kind noch nicht geburtsbereit sind.
Bei einem Orgasmus schüttet der weibliche Körper das Hormon Oxytozin aus. Es bewirkt ein rhythmisches Zusammenziehen der Gebärmutter. Deshalb können nach dem Orgasmus ganz leichte Wehen spürbar sein. Sie vergehen aber meist sehr schnett wieder, wenn der weibliche Organismus keine Wehenbereitschaft zeigt.
Ob eine Geburt beginnt oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Schwangerschaftsdauer, der psychischen Situation der werdenden Mutter und der Reife des ungeborenen Kindes. Bei einem unreifen, fest verschlossenen Muttermund und einem noch nicht geburtsreifen Kind hilft also Sex genauso wenig wie schwere Arbeiten, Hausputz oder Treppensteigen.
Wissenschaftlich belegt ist, dass Frauen, die ausgeschlafen und entspannt sind, eher Wehen bekommen, als Frauen die sehr müde und abgespannt sind. Insofern kann Sex doch ein Auslöser für den Geburtsbeginn sein, vorausgesetzt, dass er wirklich zu körperlicher und seelischer Entspannung und Wohlbefinden führt.


